70 Jahre „Schülerlotsen“

    In gelben Westen für sichere Schulwege

    Gegründet am 14. Januar 1953, ist der Schülerlotsendienst seit 70 Jahren eines der erfolgreichsten Projekte der ehrenamtlichen Verkehrssicherheitsarbeit in Deutschland. Anlässlich des Jubiläums erklärt VDA-Geschäftsführer Andreas Rade im Interview, wie sich die Initiative über die Jahrzehnte weiterentwickelt hat und welche Rolle der VDA dabei spielt.

    Gegründet am 14. Januar 1953, ist der Schülerlotsendienst seit 70 Jahren eines der erfolgreichsten Projekte der ehrenamtlichen Verkehrssicherheitsarbeit in Deutschland. Anlässlich des Jubiläums erklärt VDA-Geschäftsführer Andreas Rade im Interview, wie sich die Initiative über die Jahrzehnte weiterentwickelt hat und welche Rolle der VDA dabei spielt.

    Herr Rade, wie haben Sie im Alltag mit dem Thema Schülerlotsen zu tun?

    Fast täglich, wenn ich mit dem Rad zur Arbeit fahre. Sie helfen mir auch, weil ich selbst zwischen all den Schülerinnen und Schülern unter ihrem Schutz gut über eine Kreuzung gelotst werde. Sich zu Schulbeginn auf den Weg zu machen, kann sich also auch lohnen! Ich nehme dabei auch wahr, dass die Autofahrerinnen und Autofahrer sehr positiv reagieren und in diesem Fall gerne anhalten.

    Die Idee entstand in den 1920er Jahren in den USA, wo Jugendliche sich um einen sicheren Schulweg für ihre jüngeren Mitschülerinnen und Mitschüler gekümmert haben. Als erste Städte in Deutschland haben im Jahr 1946 Kornwestheim und Karlsruhe die „Schülerverkehrsdienste“ eingeführt. Später gingen Köln und Düsseldorf Anfang der 50er-Jahre nach der Gründung der Verkehrswachten mit dem heute bekannten „Schülerlotsendienst“ an den Start.

    Der offizielle Startschuss der „Schülerlotsen“ war schließlich der 14. Januar 1953, als der damalige Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm die Initiative für die gesamte Bundesrepublik einführte. Ein Grund dafür war die hohe Zahl von Kindern, die damals wegen der Zunahme des Autoverkehrs verunglückten. Heute sind die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer glücklicherweise rund um viele Schulen im Einsatz. Sie tragen so zur Erhöhung der Verkehrssicherheit bei – neben den Quantensprüngen in der Fahrzeugtechnik und bei Fahrerassistenzsystemen.

    Die Schülerlotsen werden wegen ihrer vielen Funktionen in der Straßenverkehrs-Ordnung auch „Verkehrshelfer“ genannt. Welche Aufgaben übernehmen sie genau?

    In erster Linie unterstützen sie natürlich Kinder und Jugendliche morgens auf dem Weg zur Schule und zu schulischen Einrichtungen im Straßenverkehr. Viele von ihnen beteiligen sich auch nach Unterrichtsschluss, aber immer im Team. Dabei geleiten sie die Schülerinnen und Schüler an gefährlichen Übergängen mit und ohne Zebrastreifen sowie an Bushaltestellen und Überwegen ohne Ampelregelung sicher über die Straße. Außerdem achten sie darauf, dass Neuankömmlinge auf dem Gehweg im angemessenen Abstand zur Fahrbahn warten.

    Wenn sich eine ausreichend große Lücke im fließenden Verkehr für einen möglichen Übergang ergibt, signalisieren die Verkehrshelferinnen und -helfer mit ihrer Winkerkelle, dass jemand die Fahrbahn überqueren möchte – sie greifen also nicht regelnd in den fließenden Verkehr ein. Die Wartenden werden dann möglichst in Gruppen über die Fahrbahn geführt. 

    In welcher Form unterstützt der VDA das Projekt?

    Wir arbeiten gemeinsam mit Automobilherstellern seit nunmehr über 30 Jahren mit den „Schülerlotsen“ zusammen, indem wir ihre einheitliche Ausstattung finanzieren. Dazu gehören die typischen neongelben Warnwesten, Käppis und die weiß umrandete roten Kellen. Ich selbst engagiere mich im achtköpfigen Team der Vize-Präsidentinnen und -Präsidenten der Deutschen Verkehrswacht. Meine Kolleginnen und Kollegen im Verband und ich freuen uns sehr, einen Teil zu diesem wertvollen Projekt beitragen zu können.

    Die Freiwilligen im Lotsendienst übernehmen früh Verantwortung für die Sicherheit ihrer jungen Mitmenschen. Diese Aufgabe erfordert Zuverlässigkeit und fördert damit die eigenen sozialen Kompetenzen. Ein großer Vorteil ist auch, dass alle Beteiligten lernen, sich angemessen und mit der nötigen Vorsicht im Straßenverkehr zu bewegen – all diese Punkte sind wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und können sogar Leben retten. Und, die „Schülerlotsen“ sind eine Erfolgsgeschichte: Bisher gab es an den von ihnen gesicherten Übergängen noch nie einen schweren oder tödlichen Verkehrsunfall.

    Maßnahmen für mehr Schulwegsicherheit werden wegen des zunehmenden Verkehrsaufkommens gerade in Städten immer wichtiger. Wie sind die „Schülerlotsen“ aktuell aufgestellt?

    Derzeit engagieren sich deutschlandweit rund 50.000 junge Menschen und Erwachsene im Schülerlotsendienst – an dieser Stelle einen herzlichen Dank an alle Beteiligten! Neben den zahlenreichen Mitinitiatorinnen und -initiatoren übernimmt die Deutsche Verkehrswacht den überwiegenden Anteil an der Erhaltung und Fortentwicklung des Schülerlotsendienstes. Sie ist beispielsweise für das Ausbildungskonzept und die Ausstattung zuständig. Dafür werden vor allem ein hohes persönliches Engagement, Akzeptanz in der Öffentlichkeit und finanzielle Mittel benötigt. Ein wichtiger Partner ist die Polizei – sie verantwortet die Ausbildungen und Prüfungen. In Zusammenarbeit mit der Polizei, den Kommunen und den Schulen erfolgt auch die Abstimmung zu den jeweiligen Einsatzorten.

    Was wünschen Sie sich persönlich für das Projekt?

    Dass die Themen Schülerlotsen und Schulwegsicherheit in der öffentlichen Wahrnehmung wieder bedeutender werden. Denn wir beobachten in den letzten Jahren eine Verschiebung in der Struktur: Während sich immer weniger Kinder und Jugendliche selbst als Lotsinnen und Lotsen engagieren, nimmt der Anteil von Eltern und anderen Erwachsenengruppen in dieser Rolle zu. Ihr Anteil liegt im bundesweiten Durchschnitt mittlerweile bei 50 Prozent. Sprichwörtlich „fällt“ und „steht“ der Schülerlotsendienst mit den engagierten Personen vor Ort. Dennoch setzen viele Schulen keinen Lotsendienst ein. Das liegt zum einen an fehlenden Kapazitäten bei der Polizei und in den Schulen, zum anderen sinkt das Interesse der jungen Menschen. Interessierte Kinder und Jugendliche sind also herzlich willkommen!

     

    Auf der Website der Deutschen Verkehrswacht erfahren Sie mehr zum Thema Verkehrserziehung und über die zahlreichen Angebote für Kinder und Jugendliche von der Grundschule bis zur Sekundarstufe.